Auf einer stillgelegten Strecke durch die Holsteinische Schweiz entsteht ein Reallabor für autonome Schienenmobilität im ländlichen Raum. Die Frage dahinter ist technischer und menschlicher Natur zugleich: Ein Zug ohne Personal muss nicht nur sicher fahren, er muss sich auch sicher anfühlen.
Seit 2025 arbeite ich in diesem Verbund an der gestalterischen Seite dieser Frage – an der Schnittstelle von Fahrzeug, Infrastruktur, Information und Interaktion. Industrielles UX-Design für ein Verkehrsmittel, das es so noch nicht gibt.
Zielsetzung
Die Sicherheit von Frauen im autonomen, ländlichen Schienenverkehr
Initiative
REAKT, Innovationsgemeinschaft Schleswig-Holstein
Verbundkoordination
HAW Kiel
Auftraggeber
Muthesius Kunsthochschule Kiel
Beauftragung
14 Monate ab Start
Projektlaufzeit
04/2025 – 03/2027
DIenstleistungen
User Research
Workshops
Benchmarking
Interactions
User Interfaces
Reakt DataTrain schafft die technischen und gestalterischen Grundlagen für neue Mobilität im ländlichen Raum. Vier Stränge laufen parallel: der autonome Zug, eine intelligente und vernetzte Bahntechnik, digitale Zwillinge von Fahrzeug und Strecke, und eine Wissensplattform, die Daten und Softwarebausteine für weitere Vorhaben offenlegt.
Ein Schwerpunkt liegt auf öffentlicher Mobilität als Safe Space: auf neuen Qualitäten sozialer und technologischer Sicherheit für autonome On-Demand-Angebote. Genau dort liegt mein Teil der Arbeit.
Ein gemeinsames Verständnis davon herstellen, was Sicherheit in diesem Kontext überhaupt bedeutet: über Disziplingrenzen hinweg, bevor gestaltet wird.
Bestehende Systeme und Lösungsansätze sichten und einordnen. Was existiert bereits, was ist übertragbar, wo endet der Stand der Technik?
Wie zeigt ein Fahrzeug ohne Personal, was es gerade tut und vorhat: nach außen zu Passanten und nach innen zu den Fahrgästen?
Wie treten Fahrgäste und Passanten mit dem Fahrzeug in Kontakt? Vom Heranrufen über das Einsteigen bis zur Verständigung während der Fahrt.
Der verbindende Schritt ist die Übersetzung: Erkenntnisse aus Befragungen und Beobachtung in Konzepte überführen, die technisch tragfähig sind und verstanden werden, ohne dass jemand sie erklärt.
Wie wird technologische Sicherheit als Schutz empfunden und nicht als Überwachung?
Welche Unsicherheiten sind naturgegeben und nicht berechenbar, und welche lassen sich vorhersehen, abfangen oder rechtzeitig mitteilen?
Was bedeutet Sicherheit allein auf weiter Flur, in einer autonomen Maschine?
Auf der Teststrecke werden KI-gestützte Systeme zur Hinderniserkennung mit passender Sensorik erprobt. Die virtuellen Abbilder von Fahrzeug und Infrastruktur erlauben es, Betriebs- und Sicherheitskonzepte durchzuspielen, bevor sie auf die Schiene kommen.
Ab Mitte 2026 entsteht im selben Verbund ein offenes Leichtbauschienenfahrzeug für den ländlichen Raum: als Unterbeauftragter bin ich daran beteiligt.
Menschen zentriertes Design ist dort von Beginn an Teil der technischen Entwicklung, nicht nachgelagerte Formgebung. Das Ziel ist ein Fahrzeug für die Erforschung der technischen und sozialen Sicherheit: Fahrgäste sollen zwischen zwei Fahrzeugen wechseln können, ohne Bahnsteig und ohne geschultes Bordpersonal, allein weil das Produkt zeigt, wie es gemeint ist und die Handlungssicherheit gibt.